Anscheinsbeweis beim OK-Vermerk auf dem Fax-Protokol (Sendebericht)
Verschiedene Gerichte haben sich in der letzten Zeit mit dem sogenannten „OK-Vermerk“ bei der Übertragung eines Telefaxes auf dem Übertragungsprotokoll beschäftigt und was sollen wir sagen? Die Rechtsprechungs-Landschaft ist mal wieder recht bunt:
Hintergrund ist die Frage, ob der Zugang eines Schreibens auch durch Telefax nachgewiesen werden kann (fristwahrend), zumindest ein Anscheinsbeweis besteht oder dem Telefax keine Wirkung aus rechtlicher Sicht zukommt. Einen Anscheinsbeweis verneinte das Brandenburgische Oberlandesgericht (Urteil vom 05.03.2008, Az: 4 U 132/07 ) jüngst, ebenso das LG Hamburg (Urteil vom 18.03.2008, Az.: 312 O 837/07).
Das OLG Celle (Urteil vom 19.06.2008, Az: 8 U 80/07) entschied, dass der „OK-Vermerk“ grundsätzlich den Zugang eines Schreibens beim Empfänger belegen können, sofern und soweit die Möglichkeit zur Kenntnisnahme i.S.d. § 130 BGB bestand und im übrigen (für den Fall der nicht korrekten Übermittlung des Dokuments), der Empfänger zumindest nach Treu und Glauben verpflichtet wäre, beim Absender nachzufragen. Das OLG München (Urteil vom 02.07.2008, Az: 7 U 2451/08) sieht im „OK-Vermerk“ zwar noch keinen Beweis, greift dem Absender aber gleichwohl hilfreich unter die Arme, denn nach Ansicht der Münchner Richter genügt einfaches Bestreiten beim Vorliegen des „OK-Vermerks“ jedenfalls nicht, um den Sachvortrag des Absenders zu erschüttern.
Das OLG Karlsruhe (Urteil vom 30.09.2008, Az: 12 U 65/08) geht noch einen Schritt weiter: die Karlsruher Richter schließen aus einem „OK“-Vermerk generell darauf, dass die Faxübertragung im Speicher des empfangenden Geräts angekommen und nach § 130 Abs. 1 Satz 1 BGB zugegangen ist (so auch das AG Hagen, Az: 16 C 68/08). Im Lichte der aktuellen BGH Rechtsprechung (BGH, Beschluss vom 23. Oktober 1995, Az: II ZB 6/95) belegt somit der „OK“-Vermerk im Sendebericht das Zustandekommen des Vertrags.
Die frühere Rechtsansicht, dass ein durch Telefax übermittelter Schriftsatz grundsätzlich erst in dem Zeitpunkt zugegangen ist, in welchem das Telefaxgerät ihn vollständig ausgedruckt hat, ist somit überholt.
Zusammen gefasst und kommentiert von
Boris Mattes
Rechtsanwalt & Fachanwalt für Mietrecht und Wohnungseigentumsrecht
in der Kanzlei Dr. Rommelspacher, Glaser, Dr. Prüß & Partner
Eywiesenstraße 6, 88212 Ravensburg
Telefon: 0751 36331-0
Telefax: 0751 36331-33
Rechtsanwalt in Ravensburg
| Nur die wirksame Nebenkostenabrechnung verpflichtet den Mieter zur Nachzahlung | Wieder einmal hatte sich der Bundesgerichts (BGH) mit einer Nebenkostenabrechnung auseinander zu setzen. Dabei stellten die Karlsruher Richter klar, dass nicht jede Abrechnung die Einwendungsfrist des... ›› mehr |
| untauglicher WEG Verwalter | Wenn es bei der Verwaltung klemmt... Der Bundesgerichtshof hat entschieden (Urteil vom 10. Juni 2011, Az.: V ZR 146/10), dass grundsätzlich jeder Wohnungseigentümer einen untauglichen Verwalter... ›› mehr |
| Wohnungseigentumsrecht: Gegenstandswert bei Beschlussanfechtung bzgl. Hausmeistervertrag | Wie der Bundesgerichtshof entschieden hat (V ZB 255/10) bemisst sich die Beschwer gem. § 2 ZPO auch im Beschlussanfechtungsverfahren nach den §§ 3 bis 9 ZPO. Deshalb ist bei der Beschlussanfechtung... ›› mehr |
| Fristen bei Nebenkostenabrechnungen | Nebenkostenabrechnung für Wohnraum – auf welche Fristen Mieter und Vermieter unbedingt achten müssen! Bei Streitigkeiten hilft ein Rechtsanwalt für Mietrecht.Der Vermieter ist zur... ›› mehr |
| kein Widerruf nach Fernabsatzrecht bei Heizöl Bestellungen | Das viele Verbraucher ihr Heizöl bestellen ist ganz normaler Alltag. Je nachdem wie viele Tage zwischen der Bestellung und der tatsächlichen Anlieferung liegen, kann zwischen dem Preis am Tag der... ›› mehr |
| Der vertragsgemäße Gebrauch im Mietrecht | Es ist schon spannend, manche Urteile des Bundesgerichtshofs als „Mietrechtler“ zu lesen und dann die weitere Entwicklung zu verfolgen. So geht es mir auch mit der aktuellen Entscheidung... ›› mehr |
| Grillen im Mietrecht | Sobald die Temperaturen wieder höher werden, holen viele Familien ihren Grill wieder hervor und im Garten und auf Balkonen beginnt die Grillsaison. doch nicht selten gibt es nach dem Anfeuern schon... ›› mehr |
| Anscheinsbeweis beim OK-Vermerk auf dem Fax-Protokol (Sendebericht) | Verschiedene Gerichte haben sich in der letzten Zeit mit dem sogenannten „OK-Vermerk“ bei der Übertragung eines Telefaxes auf dem Übertragungsprotokoll beschäftigt und was sollen wir... ›› mehr |
| Endrenovierungsklausel bleibt trotz unwirksamer Schönheitsreparaturenklausel wirksam | Eine spitzzüngige und nicht ganz erstgemeinte Urteilsbesprechung von Rechtsanwalt Boris Mattes . Mit seiner aktuellen Entscheidung (Urteil vom 14. Januar 2009, Az: VIII ZR 71/08) sorgt der BGH... ›› mehr |
| Nebenkostenabrechnung "auf den letzten Drücker": der rechtzeitige Postversand wahrt nicht die Abrechnungsfrist des § 556 Abs.3 S.2 BGB | von Anwalt Boris Mattes, Ravensburg BGH, Urteil vom 21.01.2009, Az: VIII ZR 107/08Leitsätze der Redaktion: 1.) Zur Wahrung der Frist des § 556 Abs.3 S.2 BGB muss die Abrechnung dem Mieter... ›› mehr |






