Verbraucher Unternehmer Abgrenzung
BGH, Urteil vom 30. September 2009, Az: VIII ZR 7/09
Der Volksmund sagt zwar spöttisch, wer selbständig ist, arbeit selbst und das ständig, doch im Hinblick auf die einem Verbraucher zustehenden Widerrufsmöglichkeiten im Fernabsatzverkehr schob der BGH dieser Ansicht einen Riegel vor.
Hintergrund war der erfolgte Widerruf und das Rückzahlungsbegehren einer Rechtsanwältin, die für sich privat etwas im Internet bestellte, die Ware gemäß Lieferadresse jedoch in die Kanzlei schicken ließ. Mangels Belehrung widerrief sie Ihre Willenserklärung in der Folge und verlangte den gezahlten Kaufpreis heraus.
Wie der BGH nunmehr klarstellte, ist eine natürliche Person nur dann nicht als Verbraucher iSd § 13 BGB anzusehen, wenn im konkreten Fall ihr rechtsgeschäftliches Handeln eindeutig und zweifelsfrei ihrer gewerblichen oder selbständigen beruflichen Tätigkeit zugeordnet werden kann. Dies ist jedenfalls dann der Fall, wenn das in Rede stehende Rechtsgeschäft objektiv in Ausübung der gewerblichen oder selbständigen beruflichen Tätigkeit der natürlichen Person abgeschlossen wird (§ 14 BGB). Grundsätzlich ist deshalb immer gesondert anhand objektiver Kriterien zu beurteilen, ob im konkreten Rechtsgeschäft die natürliche Person als Verbraucher (§ 13 BGB) oder in ihrer freiberuflichen Tätigkeit als Unternehmer (§ 14 BGB) am Rechtsverkehr teilnimmt.
Darüber hinaus ist rechtsgeschäftliches Handeln nur dann der unternehmerischen Tätigkeit der natürlichen Person zuzuordnen, wenn sie dies ihrem Vertragspartner durch ihr Verhalten unter den konkreten Umständen des Einzelfalls zweifelsfrei zu erkennen gegeben hat, weshalb die Janusköpfigkeit erhalten, im Einzelfall aber die konkrete "Blickrichtung" tatrichterlich festzustellen sein wird.
Quelle: Pressemitteilung Nr. 200/2009 des Pressestelle des Bundesgerichtshofs
Zusammen gefasst und kommentiert von
Boris Mattes
Rechtsanwalt & Fachanwalt für Mietrecht und Wohnungseigentumsrecht
in der Kanzlei Dr. Rommelspacher, Glaser, Dr. Prüß & Partner
Eywiesenstraße 6, 88212 Ravensburg
Telefon: 0751 36331-0
Telefax: 0751 36331-33
Rechtsanwalt in Ravensburg
| Nur die wirksame Nebenkostenabrechnung verpflichtet den Mieter zur Nachzahlung | Wieder einmal hatte sich der Bundesgerichts (BGH) mit einer Nebenkostenabrechnung auseinander zu setzen. Dabei stellten die Karlsruher Richter klar, dass nicht jede Abrechnung die Einwendungsfrist des... ›› mehr |
| untauglicher WEG Verwalter | Wenn es bei der Verwaltung klemmt... Der Bundesgerichtshof hat entschieden (Urteil vom 10. Juni 2011, Az.: V ZR 146/10), dass grundsätzlich jeder Wohnungseigentümer einen untauglichen Verwalter... ›› mehr |
| Wohnungseigentumsrecht: Gegenstandswert bei Beschlussanfechtung bzgl. Hausmeistervertrag | Wie der Bundesgerichtshof entschieden hat (V ZB 255/10) bemisst sich die Beschwer gem. § 2 ZPO auch im Beschlussanfechtungsverfahren nach den §§ 3 bis 9 ZPO. Deshalb ist bei der Beschlussanfechtung... ›› mehr |
| Fristen bei Nebenkostenabrechnungen | Nebenkostenabrechnung für Wohnraum – auf welche Fristen Mieter und Vermieter unbedingt achten müssen! Bei Streitigkeiten hilft ein Rechtsanwalt für Mietrecht.Der Vermieter ist zur... ›› mehr |
| kein Widerruf nach Fernabsatzrecht bei Heizöl Bestellungen | Das viele Verbraucher ihr Heizöl bestellen ist ganz normaler Alltag. Je nachdem wie viele Tage zwischen der Bestellung und der tatsächlichen Anlieferung liegen, kann zwischen dem Preis am Tag der... ›› mehr |
| Der vertragsgemäße Gebrauch im Mietrecht | Es ist schon spannend, manche Urteile des Bundesgerichtshofs als „Mietrechtler“ zu lesen und dann die weitere Entwicklung zu verfolgen. So geht es mir auch mit der aktuellen Entscheidung... ›› mehr |
| Grillen im Mietrecht | Sobald die Temperaturen wieder höher werden, holen viele Familien ihren Grill wieder hervor und im Garten und auf Balkonen beginnt die Grillsaison. doch nicht selten gibt es nach dem Anfeuern schon... ›› mehr |
| Anscheinsbeweis beim OK-Vermerk auf dem Fax-Protokol (Sendebericht) | Verschiedene Gerichte haben sich in der letzten Zeit mit dem sogenannten „OK-Vermerk“ bei der Übertragung eines Telefaxes auf dem Übertragungsprotokoll beschäftigt und was sollen wir... ›› mehr |
| Endrenovierungsklausel bleibt trotz unwirksamer Schönheitsreparaturenklausel wirksam | Eine spitzzüngige und nicht ganz erstgemeinte Urteilsbesprechung von Rechtsanwalt Boris Mattes . Mit seiner aktuellen Entscheidung (Urteil vom 14. Januar 2009, Az: VIII ZR 71/08) sorgt der BGH... ›› mehr |
| Nebenkostenabrechnung "auf den letzten Drücker": der rechtzeitige Postversand wahrt nicht die Abrechnungsfrist des § 556 Abs.3 S.2 BGB | von Anwalt Boris Mattes, Ravensburg BGH, Urteil vom 21.01.2009, Az: VIII ZR 107/08Leitsätze der Redaktion: 1.) Zur Wahrung der Frist des § 556 Abs.3 S.2 BGB muss die Abrechnung dem Mieter... ›› mehr |






