Mietrecht Anwälte in ihrer Nähe. Bitte Postleitzahl oder Ort eingeben:   

bei unwirksamer Endrenovierungsklausel besteht Anspruch des Mieters auf Kostenerstattung


BGH, Urteil vom 27. Mai 2009 - VIII ZR 302/07


Leitsätze der Redaktion:

  • Verkennt ein Mieter die Unwirksamkeit der mietvertraglichen Übertragung der Schönheitsreparaturen auf ihn und führt er deshalb vor dem Auszug nicht geschuldete Schönheitsreparaturen durch, so hat er dem Grunde nach einen Erstattungsanspruch gegen den Vermieter.
  • Dieser setzt sich in der Regel zusammen aus der aufgewendeten Zeit, den Kosten für das notwendige Material sowie der Vergütung für die Arbeitsleistung möglicher Helfer.
  • Etwas anderes kann dann gelten, wenn die Durchführung der Schönheitsreparaturen Gegenstand der selbständiger beruflicher Tätigkeit des Mieters war war.

Der BGH ging dabei im Wesentlichen von folgendem Sachverhalt aus:


Die Kläger bewohnten als Mieter 7 Jahre lang die Wohnung des Beklagten. Nach fünf Jahren hatten Sie Schönheitsreparaturen durchgeführt. 2 Jahre später kündigten Sie das Mietverhältnis und gingen irrig davon aus, erneut zur Endrenovierung verpflichtet zu sein. Tatsächlich bestand jedoch gar keine wirksame Verpflichtung zur Vornahme der Schönheitsreparaturen, weshalb Sie bei ihrem ehemaligen Vermieter einen Ersatzanspruch in Höhe von 1.620 € (9 € je qm Wand- und Deckenfläche) geltend machten.


Der BGH entschied nunmehr, dass ein Erstattungsanspruch der Mieter bestand (§ 812 Abs. 1, § 818 Abs. 2 BGB). Die rechtsgrundlos erbrachten Schönheitsreparaturen sind vom Vermieter aufgrund ungerechtfertigter Bereicherung auszugleichen. Die Endrenovierungsklausel war unwirksam, weshalb der Wert der rechtsgrundlos erbrachten Leistung in Höhe der üblichen, hilfsweise der angemessenen Vergütung für die ausgeführten Renovierungsarbeiten zu erstatten ist.


Zu beachten ist insoweit, dass Mieter regelmäßig die Schönheitsreparaturen in Eigenleistung erbringen, so dass der Wert der Dekorationsleistungen sich üblicherweise aus der aufgewendeten Zeit, den Kosten für das notwendige Material sowie der Vergütung für die Arbeitsleistung möglicher Helfer zusammensetzt. Der Wert der erbrachten Leistung ist durch das Gericht gemäß § 287 ZPO zu schätzen. Die genaue Höhe wird das Berufungsgericht zu klären haben, an das der Rechtsstreit zurückverwiesen wurde.


Im vom BGH entschiedenen Fall, ist möglicherweise sogar ein höherer Wert anzusetzen, weil der Mieter beruflich als Maler und Lackierer tätig ist und die Durchführung der Schönheitsreparaturen damit möglicherweise Gegenstand seines in selbständiger beruflicher Tätigkeit geführten Gewerbes war. Einen Schadensersatzanspruch hat der BGH mangels Verschuldens des Vermieters bei der Verwendung der unwirksamen Klauseln dagegen abgelehnt. Auch ein Aufwendungsersatzanspruch aus einer Geschäftsführung ohne Auftrag scheidet nach Ansicht der Karlsruher Richter aus, weil der Mieter bei Vornahme der Schönheitsreparaturen ausschließlich im eigenen Rechts- und Interessenkreis tätig wird.

 

Allerdings sieht § 535 BGB grundsätzlich die Erhaltungspflicht beim Vermieter, weshalb sich argumentieren ließe, dass der Mieter - zumindest auch – ein fremdes Geschäft vornehme. Nach Ansicht des BGH erbringt der Mieter hingegen die Schönheitsreparaturen, allein deshalb weil Sie Teil des Entgelts für die Gebrauchsüberlassung an den Mieträumen seien.

 

Quelle: Pressemitteilung 114/2009 der Pressestelle des Bundesgerichtshofs

Aktuelles:

Farbwahl und Tapeten bei Schönheitsreparaturen
LG Berlin, Urteil v. 25.6.2007, Az: 62 S 341/06 = Grundeigentum 2007, 1125Eine Formularklausel, wonach Schönheitsreparaturen in neutralen, deckenden, hellen Farben und Tapeten auszuführen sind, ist... ›› mehr
 
keine Änderung der Nebenkosten Abrechnung nach Fristablauf mehr möglich
Hat der Vermieter innerhalb der Frist des § 556 Abs. 3 Satz 2 BGB eine Nebenkostenabrechnung erteilt, so ist er an diese nach Fristablauf gebunden und kann weder eine höhere Nachforderung durch eine... ›› mehr
 
Parkett: Schönheitsreparaturen beim Auszug? 
AG Münster, Urteil vom 28.06.2002, Az: 3 C 1206/02 Der Mieter ist nicht verpflichtet beim Auszug das Parkett der Wohnungen zu reinigen oder abzuschleifen oder neu mit Ölwachs oder sonst versiegeln zu... ›› mehr
 
Deckenbemalung Wischtechnik 
AG Schöneberg, Urteil vom 06.09.2007, Az: 106 C 332/06 Ein mehrfarbiger Anstrich in weiß und terracotta Wischtechnik beim Auszug aus der Mietswohnung mus der Vermieter nicht akzeptieren. Wird der... ›› mehr
 
Und nochmals: kein Farbwahl-Diktat während der Mietzeit
BGH, Urteil vom 18. Februar 2009, Az: VIII ZR 166/08Die Formulierung innerhalb einer Schönheitsreparaturenklausel nach der das „Streichen […] innerhalb der Mieträume in neutralen... ›› mehr
 
Besichtigungsrecht des Vermieters ohne konkreten Anlass 
Besteht ein Besichtigungsrecht des Vermieters für die vermieteten Räume auch ohne konkreten Anlass?Nein:LG München, Beschluss vom 21.7.2008, Az: 12 S 1118/08AG Tempelhof-Kreuzberg, Urteil vom... ›› mehr
 
Verrechnung der Kaution durch den Vermieter 
Zwischen den Instanzgerichten streitig und bislang nicht höchstrichterlich durch den BGH geklärt ist die Frage, ob nach Beendigung des Mietverhältnisses der Vermieter die Sicherheit ohne weiteres... ›› mehr
 
Mietrecht: Beleidigungen und Gewalt durch Mieter und die Möglichkeiten einer Kündigung durch den Vermieter 
Vermieter und weitere Mieter in einem Mehrfamilienwohnhaus müssen nicht tolerieren, wenn einzelne Mieter andere Personen - egal ob Vermieter, Mietmieter oder Dritte - belästigen, beschimpfen oder gar... ›› mehr
 
Der Außenanstrich ist Vermieter-Sache 
Zusammen gefasst und kommentiert von Boris Mattes Rechtsanwalt & Fachanwalt für Mietrecht und Wohnungseigentumsrecht   in der Kanzlei Dr. Rommelspacher, Glaser, Dr. Prüß & Partner Eywiesenstraße... ›› mehr
 
Mietschuldenfreiheitsbescheinigung 
Mietschuldenfreiheitsbescheinigung - Was ist denn das nun wieder?   Immer wieder stehen Mieter vor dem Problem, dass der neue Vermieter - mehr oder weniger rechtlich zulässig - viele Fragen stellt... ›› mehr
 

Ich will ins Verzeichnis